
Ausstellungseröffnung: "Tibeter im Exil"
Fotografien von Paola Marcello
Fotoausstellung
Eröffnung am Sonntag, 15. November 2026 um 18.00 Uhr
Musikalische Einführung: Bernhard Bretzinger
Politische Einführung: Wilfried Pfeffer, Tibet Kailash Haus Freiburg
Ausstellungszeitraum: 15. November bis 10. Dezember 2026
Die Blicke von Paola Marcello durchdringen nicht nur das Sichtbare oder das Kontingente. Es sind Blicke, die sich im Laufe der Zeit ablagern, die sich nicht verbrauchen. Von diesen intensiven und tiefgehenden Porträts nimmt ihre Arbeit ihren Ausgang: eine Untersuchung, die auf langsamer Nähe, auf Zuhören und auf einer Beziehung beruht, die bereits vor dem Bild gedacht und gepflegt wird.
Das Tibet, das in dieser Ausstellung evoziert wird, ist weder ein geografischer Ort noch ein exotisches Anderswo. Die Bilder erzählen keine Reise und bedienen sich keiner ästhetisierenden oder tröstenden Erzählweise. Vielmehr führen sie uns in einen schwebenden historischen und kulturellen Zustand, geprägt vom erzwungenen Exil, das 1959 begann und sich tief in Körper, Gesichter, bewohnte Räume und alltägliche Gesten von Frauen und Männern eingeschrieben hat – Menschen, denen ihre Heimat und die Möglichkeit genommen wurde, ihre eigene Vergangenheit frei zu erzählen.
Exil ist hier nicht nur eine geografische Verschiebung, sondern eine dauerhafte existenzielle Bedingung, die Identität, Sprache, Religion und kollektives Gedächtnis betrifft. Es ist eine Wunde, die sich in die lange Zeit einschreibt und in den Porträts von Paola Marcello eine Form des Zuhörens und der Rückgabe findet.
Zum Hintergrund:
Tibet liegt im Hochland Zentralasiens und umfasst die Autonome Region Tibet (TAR) sowie angrenzende tibetische Gebiete in den Provinzen Qinghai, Sichuan, Gansu und Yunnan.
In der Autonomen Region Tibet leben rund 3,6 Millionen Menschen. Insgesamt leben etwa sechs bis sieben Millionen Tibeter:innen in China. Viele Tibeter*innen leben im Exil.
Tibet ist seit mehr als 75 Jahren von China besetzt. Seit dem Einmarsch chinesischer Truppen im Jahr 1950 steht Tibet unter der Kontrolle der Volksrepublik China. Ein Jahr später wurde das sogenannte 17-Punkte-Abkommen unterzeichnet, das die Eingliederung Tibets in die Volksrepublik China festschrieb. Seit mehr als 75 Jahren ist Tibet von China besetzt. Die chinesische Regierung bezeichnet ihre Politik als „Befreiung“.
1959 eskalierte der Widerstand gegen die chinesische Herrschaft in einem breiten Aufstand, nachdem sich die Sorge verstärkt hatte, der Dalai Lama könne von chinesischen Behörden festgesetzt werden. Der Aufstand wurde gewaltsam niedergeschlagen, woraufhin Tausende Tibeter:innen flohen, darunter auch der 14. Dalai Lama.
Der Dalai Lama ging ins Exil nach Indien, von wo aus er bis heute wirkt. Die tibetische Exilregierung hat ihren Sitz ebenfalls in Indien in der Stadt Dharamsala.
Die Vereinten Nationen erkennen Tibet heute nicht als eigenständigen Staat an, sondern als Teil der Volksrepublik China. Jedoch haben UN-Organe seit 1959 wiederholt Menschenrechtsverletzungen in Tibet kritisiert und auf die Rechte der Tibeter:innen auf religiöse, kulturelle und sprachliche Selbstbestimmung verwiesen. Auch die GfbV kritisiert, dass Chinas politische Kontrolle, Repression und Assimilationspolitik das Recht der Tibeter*innen auf Selbstbestimmung verletzt.
Tibet ist seit 1965 formal als „Autonome Region“ organisiert. Diese Autonomie garantiert auf dem Papier kulturelle und sprachliche Rechte. In der Praxis liegt die politische Macht jedoch bei der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Zentrale Entscheidungen in den Bereichen Sicherheit, Bildung, Religion und Verwaltung werden nicht lokal, sondern parteistaatlich getroffen.
Große Teile der tibetischen Bevölkerung leben in anderen Provinzen Chinas. Diese administrative Aufteilung erschwert eine einheitliche politische Vertretung tibetischer Interessen.
Die Künstlerin:
Paola Marcello wurde in Meran geboren. 2005 schloss sie den „Master di Reportage” an der John Kaverdash School in Mailand ab und konzentrierte sich dabei auf soziokulturelle Reportagen und Reisefotografie. Ihre erste bedeutende fotografische Arbeit, „Palästina, Leben hinter einer Mauer“, wurde 2009 beim Festival der Fotografie in Rovereto (MART) ausgestellt. 2011 realisierte sie das Projekt „Die neuen Meraner“, eine Dokumentation zum Thema Einwanderung und multikulturelle Gesellschaft in Meran.
Es folgten weitere fotografische Projekte mit sozialkritischem Hintergrund: „Ich lebe: Eine Immersion in die Welt der Menschen mit Behinderung“, „Schmetterlinge im Kopf – ein anderer Blick auf das Leben von Menschen mit seniler Demenz“, „Kaufmannsgeschichten: Geschäfte in Südtirol im Wandel der Generationen”, „Aufbrechen-Ankommen. Geschichten von Frauen auf dem Weg nach Meran”, „Auf der Haut; die letzten tätowierten Gesichter von Frauen in Myanmar”.
Veranstaltende:
Gesellschaft für bedrohte Völker
TOLLHAUS Karlsruhe